01/03/20

Sellerie (Apium graveolens)

Der Echte Sellerie (Apium graveolens), in Österreich auch die Sellerie (mit Betonung auf der letzten Silbe) oder der Zeller, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Sellerie (Apium) innerhalb der Familie der Doldenblütler (Apiaceae). Diese Gemüse wird in den Varietäten:  Knollensellerie (Apium graveolens var. rapaceum (Mill.) DC.) - Staudensellerie (Apium graveolens var. dulce (Mill.) DC.) - Schnittsellerie (Apium graveolens var. secalinum Alef.) verwendet.
Der Name stammt vom griechischen „selinon“ ab, in Griechenland wurden Sieger mit Sellerie bekränzt.

Echter Sellerie ist eine einjährige bis ausdauernde krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 30 bis 100 Zentimetern erreicht. Die Wurzel ist spindelförmig und verzweigt. Im zweiten Jahr verholzt sie. Die Stängel sind aufrecht, stark verzweigt und besitzen kantige Furchen. Die Laubblätter sind dunkelgrün, glänzend und einfach gefiedert.

Die Wildform Apium graveolens var. graveolens hat eine weite Verbreitung. Sie kommt ursprünglich in Europa, Nordafrika, auf Madeira, den Kanarischen Inseln, im Jemen, in Westasien, Zentralasien und im Kaukasusraum vor. Als natürliche Standorte der Wildform werden salzhaltige, feuchte bis sumpfige Böden in den Küstengebieten der Mittelmeerländer angenommen.
Die Inkulturnahme fand wahrscheinlich im Mittelmeerraum statt; der heutige Sellerie entstammt aus Züchtungen in Italien im 17.Jahrhundert; es wurden Bitterstoffe weggezüchtet.

Knollensellerie (auch Wurzelsellerie oder Zeller genannt) entwickelt ein halb unterirdisch wachsendes Speicherorgan. Der Anbau des Sellerie im Gemüsebau erfolgt für frühe Ernten in der zweiten Maihälfte im Gewächshaus mit Aussaat im Januar. Für Ernten während des Sommers bzw. im Herbst werden vorgezogene Pflanzen zwischen den Eisheiligen und Ende Juni ins Freiland ausgepflanzt. Die Größe der Sellerieknollen kann von den Erzeugern über die Pflanzweite nennenswert reguliert werden. Der Hektarertrag an Sellerieknollen kann 30 bis 35 Tonnen erreichen.
Der Knollensellerie kann als Suppengrün oder als Röst- oder Wurzelgemüse für Schmorgerichte verwendet werden, als Beilage zu Püree, als Salat (z. B. Waldorfsalat), als Hauptgericht in Scheiben gebraten zu Sellerieschnitzeln oder zu Suppen verarbeitet werden.

Staudensellerie (auch Stiel-, Stangen- oder Bleichsellerie genannt) hat lange, fleischige Blattstiele und eine kleine Wurzelknolle. In den Handel kommen die Blattstiele, die pro Pflanze bis zu einem Kilogramm wiegen können. Sie werden für Salate oder als Gemüse verwendet. Die blasse Färbung kommt durch Aufhäufeln von Erde und Überstülpen mit Blechrohren zustande, was die Chlorophyllbildung durch Lichtmangel beeinträchtigt. Die Blattstiele enthalten vergleichsweise hohe Mengen β-Carotin und zeichnen sich durch ein feines Selleriearoma aus.

Schnitt- oder Würzsellerie, der mit einer nicht oder kaum ausgeprägten Knolle und an Petersilie erinnernden Blättern der Wildform am nächsten steht, dient als Gewürzkraut. Verwendet werden nur die Blätter, die 0,1 % ätherische Öle mit ca. 60 % Limonen und 10 % Selinene enthalten und ihre Aromastoffe beim Trocknen nicht verlieren. Eine Mischung getrockneter Blätter mit Kochsalz wird als Selleriesalz angeboten.

Der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch in Deutschland liegt bei 1kg mit steigender Tendenz. Die FAO-Statistik hat Sellerie nicht seperat aufgeführt; es gibt Zahlen aus einzelnen Ländern, wie z.B. USA (Kalifornien), Italien, Spanien, Niederlande und Japan.

Sellerie wurde bei der Behandlung von Rheuma, Arthritis und Gicht verwendet. Er soll bei rheumatoider Arthritis, die von „Depressionen“ begleitet wird, hilfreich sein. Der Nutzen bei Rheuma soll mit der harntreibenden Wirkung in Zusammenhang stehen, das ätherische Öl – Apiol – soll Harn „entgiften“. Verwendet werden die getrockneten reifen Samen.

Wildsellerie diente im Alten Ägypten nach schriftlichen Überlieferungen aus der Zeit zwischen 1200 und 600 v. Chr. als Heilpflanze. Aus dem antiken Griechenland ist die Nutzung vielfach überliefert. Die Römer übernahmen die Nutzung von den Griechen. Nach der Völkerwanderung ist die Nutzung wieder vom Beginn des 9. Jahrhunderts an belegt. Im Mittelalter und während der Renaissance wurde der Sellerie vorwiegend als Arzneipflanze genutzt.
Dioskurides lobte den Sellerie als harntreibend, bei erhitztem Magen, Verhärtungen in den Brüsten, gegen Gifte und Tierbisse. Es hieß, er vertreibe Melancholie. Bei Hippokrates wirkt er harntreibend, bei Hildegard magenreinigend, bei Paracelsus gegen Blähungen, Harngrieß und stinkende Schweiße. Nach Veleslavin (1596) schränkt er die Milchsekretion ein. Aus der Volksmedizin sind Verwendungen bei Verdauungsstörungen, Nierensteinen und als Aphrodisiakum bekannt; die Nymphe Kalypso versucht Odysses mit einem Zaubertrank zu betören deren Hauptbestandteil Sellerie war.

Informationen
Wikipedia - Sellerie  - engl. celery -
- Sellerie - link vom Max-Planck-Institut für Züchtungsforschung, 2011 im Internet-Archiv -
- CeleryApium graveolens  bei https://hort.purdue.edu
- Apium graveolens dulce (Celery) bei www.practicalplants.org -
- Apium graveolens bei www.pfaf.org -

Why Is Everyone Drinking Celery Juice as if It Will Save Them From Dying? New York Times 27.06.2019
Supersellerie, Superfood - Spiegel 24.11.2016
Australier verzehren viel Sellerie, gekocht, zum Dippen, usw.  Nielsen-Pressemitteilung 29.03.2018
- Staudensellerie – Vom Suppengrün zum Superstar!  link bei www.deutsches-obst-und-gemuese.de 23.09.2019

- Zeller (Apium graveolens var. rapaceum - Synonym: Knollensellerie) + Stangenzeller (Apium graveolens var. dulce) (Synonym: Bleichsellerie, Stangensellerie, Staudensellerie)  bei http://www.obst-gemuese.at -

(Aid - www.was-wir-essen.de ⇒⇒ Knollensellerie) (aid aktuell, 14.10.2015) (nicht mehr gültig)
Sellerie - Lebensmittel-Infoblatt der BZfE - Knollensellerie vorbereiten (YouTube der BZfE)
(Sellerie im www.gemueselexikon.ch )
Sellerie. EatSmarter Warenkunde Lexikon (18.11.2019)
Schrot&Korn - Nr.3, 2000 (link)
Alnatura Magazin Nr.3, 2013 (link) (nicht mehr gültig)
Badische Küchenkunde - Sellerie

(Sammlung OLT 17_11_08)

 Gemüse-Broschüre vom MLR_BW

Dreierlei Sellerie (Rezepte von Sarah Wiener) TAZ 07.06.2014

Tschirner,M.: Sellerie - mehr Aroma geht nicht. Slow Food Magazin Nr.05_2012, S.27-29 (Archiv - scan) (bei alten Ägyptern - Heilpflanze; Grabbeigabe); auch Hippokrates verschrieb Selleriesaft (gegen Nervenproblemen); Stangen-, Knollen-, Bleichsellerie; schwarzer Sellerie (aus Trevi/Italien); selten - im Piemont - roter Orbassanosellerie

- Knollensellerie ist vielseitig und gesund.  Food-Monitor 22.12.2016 -
- Knollensellerie richtig schneiden. dpa/tmn-Meldung z.B. Münchner Merkur, Rhein-Zeitung 12.07.2017

Roland Tauber: SELLERIE mandelbaums kleine gourmandise Nr. 16, Mandelbaum Verlag Wien 2017

Sellerie in der Antike - Pflanze auf Grabmälern. http://www.rezkonv.de/proj/herbs/seiten/sellerie.htm (ungültig - 2.3.13) - http://www.swr.de/ratgeber/garten/gartenkalender/gartenkalender/-/id=711800/nid=711800/did=4753200/ge5ua3/index.html (nicht mehr gültig)

Bilder von Sellerie bei www.akg-images.de -

Sellerie in der Musik Songtext: (Old Merry Tale Jazzband / CD#5840) (Swinging Hamburg) - Titel "Sellerie" war ein Hit zu seiner Zeit

Ich ess' für meine Leben gern
Klops mit Sauerkraut.
Auch Eisbein mit Püree
Und Hühnerfrakassee.
Doch mein Freund Hirnoymus
Hat 'ne süsse Braut.
Das Mädchen heisst Sofie.
Sie ißt nur Sellerie.
Sellerie, Sellerie, Sellerie.
Spät und früh will Sofie Sellerie.
Frühmorgens schreit sie schon im Bad:
"Wo bleibt denn bloss mein Selleriesalat?".
Sellerie, Sellerie, Sellerie.
Apfelmus, Plaumenmus, will sie nie.
Sie will nicht Bismarckhering mit Spinat.
Nur ausgerechnet Selleriesalat.

 

Sellerie in der Philatelie.

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