TYPO3 Musterprojekt - Thursday, 29. July 2021
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Haider, Joe (p, vb, ld, comp), * 3.1.1936 Darmstadt. Im stark akkordischen Spiel Joe Haiders verbinden sich verschiedenste traditionelle und moderne Einflüsse mit dem Phantasiereichtum des Improvisators zu einem modernen Mainstream individueller Prägung. Eine gewisse Neigung zum modalen Jazz, zur Polyrhythmik und zu dunklen Klangfarben zieht sich dabei als roter Faden durch die Vielfalt seiner pianistischen und kompositorischen Beiträge. Er ist zudem ein Pionier der europäischen Big Band-Kultur und einer der führenden Pädagogen des Jazz.

Joe Haider, der seit dem vierten Lebensjahr Klavierunterricht bei seinem Vater hatte, wuchs in Stuttgart auf, spielte dort in Amateurgruppen und studierte 1960 bis 1965 Klavier und Komposition am Trapp'schen Konservatorium in München. Erste wichtige Engagements gaben ihm Manfred Schoof und Pierre Favre, in München dann Joe Viera, Hartwig Bartz und Bent Jaedig. Haider trat in Trios mit Johnny Gertze und Makaya Ntshoko bzw. Hartwig Bartz auf und begleitete ab 1965 als Hauspianist des Clubs Domicile, dessen Leitung er 1973/74 übernahm, Solisten wie Benny Bailey, Don Menza, Booker Ervin, Nathan Davis, Art Farmer, Attila Zoller, Dexter Gordon oder Slide Hampton und begann nun auch in verstärktem Maße zu komponieren. Joe Haider arbeitete seit 1968 mit dem Jazzensemble des Bayerischen Rundfunks. Nach einem Zwischenspiel als Pianist des RIAS-Tanzorchesters formierte er 1970 mit Peter Giger, Heinz Bigler und Isla Eckinger die Gruppe Four for Jazz (u.a. LP »A Land Of Dolls«, 1970) und unterrichtete an der Jazzschule in Bern. Der viel beschäftigte Pianist, der später selbst eine private Jazzschule in München und zudem die Plattenfirma EGO Records gegründet hat, konzertierte seitdem regelmäßig mit Trios, denen u.a. die Bassisten Isla Eckinger und Günter Lenz sowie die Schlagzeuger Pierre Favre, Allan Blairman bzw. Todd Canedy angehört haben. Platten wie die 1979 wieder veröffentlichte »Katzenvilla« aus dem Jahr 1971 oder »Café Des Pyrénées« (1973) dokumentieren den hohen Integrationsgrad dieser Trios. Daneben präsentierte Joe Haider, der Anfang der siebziger Jahre auch mit Johnny Griffin, Art Taylor, Charlie Shavers und Ben Webster aufgetreten war, mit Slide Hampton 1973 eine Big Band (»Give Me A Double«), die 1975 und 1977 wiederbelebt wurde. Seit 1976 arbeitet er häufig auch in Quartett- und Quintettbesetzungen mit Andy Scherrer, Leszek Zadlo, Ack van Rooyen, Sal Nistico, Benny Bailey und Dusko Goykovich, mit dem er 1980 beim Jazzfest München und anderen Festivals ein Quintett vorgestellt und die LP »After A Long Time« herausgebracht hat. In den achtziger Jahren agierte der vor allem als Komponist viel beschäftigte Musiker wieder mit Trios oder Quartett-Besetzungen u.a. mit Roman Schwaller und Mel Lewis, gelegentlich auch mit neu formierten Big Bands (u.a. CD »Anniversary Big Band '92«) oder Gruppen seiner Schüler. Von 1984 bis 1995 Leiter der Swiss Jazz School in Bern, konzentrierte Haider seine Konzertaktivitäten auf Projekte wie die Big Band-Einspielung »Keep Hot« (1986 Preis der deutschen Schallplattenkritik) mit Mel Lewis, sein Sextett Straight Ahead (»Up Shot«, 1988) oder ein Quintett mit dem Trompeter James Zollar. Daneben baute er Joe Haider Music, ein eigenes Label, auf, das Einspielungen junger Talente, amerikanischer Stars und auch Haiders eigene Projekte präsentiert, darunter » Conte Candoli Meets The Joe Haider Trio« (1994) und »Magic Box« (1995). Nach einer längeren krankheitsbedingten Pause kehrte der 1995 mit dem Großen Musikpreis des Kantons Bern ausgezeichnete Musiker, der sich nach seinem Rückzug von der Schulleitung in Bern in Silver City, New Mexico, etablierte, mit neuem Schwung auf die Szene zurück. Er präsentierte sich in Trio- und Quartett-Konstellationen mit alten Weggenossen wie Isla Eckinger oder Roman Schwaller, aber auch mit jungen Sidemen wie Giorgos Antoniou (b) und Daniel Aebi (dr), mit denen er die Trio-Alben »Grandfather's Garden« (2000) und »The Hungarian« (2001) aufnahm.

[Haider, Joe. DB Sonderband: Jazz-Lexikon, S. 2053

(vgl. JL Bd. 1, S. 482 ff.)]