05/09/16

Die Kichererbsen - Cicer arietinum

Die Kichererbse (Cicer arietinum) hat viele Namen, eine Auswahl: Echte Kicher, Römische Kicher, Venuskicher, Felderbse, Chicher, Chichurra, Cyfer, Garabanzen (Mark Brandenburg), Kecher (mittelhochdeutsch),  Kekeren (mittelniederdeutsch), Seker (mittelhochdeutsch), Sperberköpfl (Steiermark), Ziseren (mittelhochdeutsch), u.a.
Die Gattung Kichererbsen (Cicer) gehört zur Unterfamilie der Schmetterlingsblütler (Faboideae) innerhalb der Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae). Mit der Erbse (Pisum sativum) ist sie nicht näher verwandt.
Der lateinische Name der Pflanze lautet cicer, daraus entstanden das althochdeutsche kihhira und schließlich das heutige Kichererbse.
Sie ist eine alte Nutzpflanze. Die Erstveröffentlichung von Cicer arietinum erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum. Die Kichererbse stammt wahrscheinlich von der wild wachsenden Cicer reticulatum Lad. ab. 8000 Jahre alte Funde belegen ihren jungsteinzeitlichen Anbau in Kleinasien. Seit dem klassischen Altertum wird die Kichererbse in Griechenland und Italien als Nutzpflanze angebaut. In Deutschland stammt der einzige Fund von Samen aus der Römerzeit. Hildegard von Bingen empfahl Kicher als leichte und angenehme Speise und als Mittel gegen Fieber.
 
Die Kichererbse ist eine einjährige krautige Pflanze, die Wuchshöhen von bis zu 1 Meter erreicht. Sie werden in vielen subtropischen Gebieten der Erde angebaut. Sie stellen geringe Ansprüche an den Boden und kommen mit wenig Wasser aus. In den gemäßigten Klimazonen sind die Erträge wegen mangelnder Wärme nur gering.

Die Kichererbse wird im Wesentlichen zur Ernährung des Menschen angebaut. Hauptanbaugebiete der Kichererbse sind heute die Türkei, Nordafrika, Mexiko, Afghanistan, Indien, Pakistan und Spanien. In Mexiko und Indien sind Kichererbsen nach wie vor ein wichtiges Grundnahrungsmittel. In der Küche finden besonders zwei Sorten Anwendung: die kleinen, runzeligen Samen aus Indien und die größeren rundlichen, beige-gelben Samen aus dem Mittelmeerraum, die in Europa bekannter und verbreiteter sind. Sie dienen auch als Tierfutter. Auch geröstet (in Notzeiten) als Kaffee-Ersatz,
Man kann sie fertig gekocht in Dosen oder als getrocknete Samen kaufen (ähnlich wie bei grünen Erbsen). Die getrockneten Samen werden kalt eingeweicht (12 bis 24 Stunden und länger) und dann beispielsweise als Eintopf, Brühe oder Püree zubereitet.
Im Vorderen Orient und in Nordafrika werden Kichererbsen unter anderem geröstet und wie Nüsse verzehrt. Aus gewürztem Kichererbsenbrei wird auch der im Nahen Osten und Nordafrika weitverbreitete Falafel hergestellt. In der orientalischen Küche ist eine Paste unter anderem aus Kichererbsen und Sesam, genannt Hommos we Tahini oder auch nur kurz Hummus, sehr beliebt. Eine andere Zubereitung aus Kichererbsenmehl ist die italienische Farinata (Pfannkuchenart), die auch in der französischen Stadt Nizza unter dem Namen Socca bekannt ist. Ferner kennt man in Spanien Speisen mit Kichererbsen (dort Garbanzos), zum Beispiel ist der Eintopf Cocido madrileño ein Nationalgericht. Im Orient ist ein Gebäck aus vergorenen Samen als Schimitt bekannt. In der Türkei kennt man zweimal geröstete Samen unter der Bezeichnung Leblebi, die wie Nüsse verzehrt werden, landesweit verbreitet ist auch ein Eintopf mit Fleisch. In der Provence wird ein Gebäck aus einer Mischung aus Kichererbsen- und Weizenmehl hergestellt. In Indien bereitet man aus jungen Kichererbsenpflanzen einen Salat oder verzehrt die gekochten Kichererbsen unter dem Namen Chana Masala.
Auch Kichererbsenmehl findet in der Küche Indiens Verwendung, so im Ausbackteig für Pakora, in den süßen Kugeln namens Laddu, die unter anderem dem Gott Ganesha geopfert werden, und in verschiedenen Beilagen und Keksen. Pfannkuchen aus Kichererbsenmehl sind außerdem in Italien, besonders in Ligurien, als Farinata bekannt, und in Andalusien zusammen mit Shrimps als Tortillitas de camarones.

Kichererbsen enthalten viele Kohlenhydrate und kaum Fett, sie sind eiweißreich (ca 20%), und haben 12% Nahrungsfasern (Ballaststoffe). Nennenswert sind die Gehalte an Vitamin B1, B6 und Folsäure, sowie Eisen, Zink und Magnesium. Sie sind glutenfrei. Der Kohlenhydratspeicher ist Raffinose, ein Dreifachzucker (und nicht Stärke), dieser ist nicht leicht verdaulich, und kann Blähungen verursachen. 
Rohe „Kichererbsen“ – korrekt wäre „Kichererbsensamen“ – enthalten den unverdaulichen Giftstoff Phasin (Lektin), der durch Hitzeeinwirkung zersetzt wird. Kirchererbsen sollten daher nur gut durchgegart verzehrt werden.

Die Weltproduktion im Jahr 2013 betrug  13.102.000  Tonnen (FAOSTAT - chickpeas).
#1 -  Indien       8.832.500 to/Jahr (2013)
  Australien 813.300
   Pakistan 751.000
   Türkei 506.000
    Myanmar 490.000
     Iran 295.000
    Äthiopien 249.465
     Mexiko 209.941
     Kanada 169.400
      USA 157.351 Welt

Informationen (allg - links)
- wikipedia - engl. chickpea
- Chickpea bei Purdue University
- Chickpea bei FAO - Neglected Crops -
- Cicer arietinum bei PracticalPlants


Alles aus Kichererbse: Hummus, Falafel & Co. BZfE News 30.01.2019 
Rohe Kichererbsen einweichen lassen. dpa/tmn-Meldung 05.02.2019 z.B. in Rhein-Zeitung + Münchner Merkur -

Gulin, D.: Hummus. Aus Liebe zur Kichererbse. Callwey, 2018

Humus und Falafel: Mit Kichererbsen den Orient geniessen - aid 11.06.2014 -- http://www.was-wir-essen.de / (Stichwort Kichererbsen, Hülsenfrüchte) –   aid aktuell 11.05.2016 -
-- http://www.naturkost.de / (Stichwort Kichererbse
-- http://lebensmittel-warenkunde.de/lebensmittel/gemuese/huelsenfruechte/kichererbsen.html   
-- http://www.essen-und-trinken.de/kichererbsen
-- Kichererbsen bei eatsmarter
-- Kichererbsen bei Küchengötter (G&U)
- DGE aktuell 27/2000 vom 24.10.2000: Knackige Keime als Vitaminspritze für Herbst und Winter (link bei Forum Ernährung Österreich)
- http://www.alnatura.de/de/bio-erbsiges  (im Archiv)
- Kichererbsen-Mousse - Mtabal Hummus - bei www.traditionelle-libanesische-rezepte.com

- Kichererbsen: klein, gelb und ein Star am Food-Himmel! Nestlé Ernährungsstudio 11.03.2019

- Kichererbse im Kuchen: Die geheimen Talente der Hülsenfrucht - dpa/tmn-Meldung 10.01.2018 (z.B. in Rhein-ZeitungAllg Zeitung Mainz) mit Buchempfehlungen:
Tom Franz: Israel kocht vegetarisch: Die schönsten Rezepte aus meiner neuen Heimat. AT Verlag. 176 S.ISBN-13: 9783038009573.
Jenny Damberg/Ricarda Essrich: Hülsenfrüchte: Kochen mit Erbsen, Bohnen und Linsen. Jan Thorbecke Verlag. 120 S.  ISBN-13: 9783799511230.

- geröstete Kichererbsen - eine Chips Alternative (z.B. link bei www.eatsmarter.de )

Die Kirchererbsen gibt es auf Briefmarken - siehe Agrarphilatelie.
 

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