01/24/21

Meerrettich - Kren

Der Meerrettich bzw. Kren (in Österreich) (Armoracia rusticana), gehört zur Familie der Kreuzblütengewächse (Brassicaceae). Die Wurzel der Meerrettichpflanze wird als Gemüse, Gewürz oder in der Pflanzenheilkunde verwendet. Mit den Rettichen der Gattung Raphanus ist er nicht näher verwandt. Der Steirischer Kren g.g.A. ist eine anerkannte Herkunftsbezeichnung mit Regionenschutz  (Verordnung (EG) Nr. 510/2006  des  Rates  zum  Schutz  von  geografischen  Angaben  und Ursprungsbezeichnungen für Agrarerzeugnisse und Lebensmittel). Die japanische Variante  Wasabi (Eutrema japonicum) gehört ebenfalls zur Familie der Kreuzblütengewächse (Brassicaceae) und ist sogar noch etwas schärfer.

Kren (Meerrettich) wurde schon in der Antike kultiviert. Ursprünglich stammt der Meerrettich aus Ost- und Südeuropa. Er war 1500 v Chr in Ägypten bekannt und wurde traditionell beim jüdischen Pessach Seder verwendet. Cato der Ältere (234 bis 149 v Chr) behandelt diese Pflanzen in seiner Abhandlung über die Agrikultur. In Ostrussland und der Ukraine kommt er noch in der Wildform vor. In Deutschland sind die Zentren des Meerrettichanbaus der Spreewald, das badische Fautenbach;  das Meerrettichdorf Urloffen in Baden sowie das fränkische (91083) Baiersdorf, wo es auch ein Meerrettichmuseum gibt.
Zur Herkunft des Wortes Meerrettich (von mittelhochdeutsch merretich) gab es unterschiedliche Auffassungen. Es hängt nicht mit "über das Meer gekommen zusammen, auch nicht mit Mähre (altem Pferd; horseradish), sondern mit größer (mehr) - der Meerrettich ist der größere Rettich: Kren ist ein Lehnwort aus dem slawischen Sprachraum für kren/chren = Wurzel.

Der Meerrettich wächst als ausdauernde krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 50 bis 120 Zentimeter, gelegentlich auch bis 2 Meter. Diese winterharte Pflanze hält Temperaturen bis −50 °C aus. Als Überdauerungsorgan wird eine senkrechte, walzenförmige Pfahlwurzel gebildet, die eine Länge von 30 bis 40 Zentimeter und einen Durchmesser von 4 bis 6 Zentimeter erreicht. Unter guten Bedingungen mit leicht durchwurzelbarem Boden (Moor, Sand) wird die Pfahlwurzel bis zu 60 Zentimeter lang.
Besondere Sorten kennt man beim Meerrettich nicht, jedoch haben sich über die Jahrhunderte des erwerbsmäßigen Anbaus örtliche Herkünfte (Ökotypen) mit eigenen Selektionen entwickelt. Wurzelform und Geschmack unterscheiden sich.
Gepflanzt werden (mit speziellen Pflanzmaschinen) Seitenwurzeln (Fechser oder Fexer) von ausgesuchten Mutterpflanzen (Hauptwurzel),  die bei der Ernte im Herbst von ausgewachsenen Meerrettichstangen anfallen. Die Fechser werden Ende März bis April oder gleich im Herbst (November) gepflanzt. Das Hauptwachstum der Kultur erstreckt sich auf den späteren Sommer. Sind die Wurzeln zur Ernte zu schwach, können einzelne Pflanzen auch im Boden belassen und im Folgejahr geerntet werden. Die Ernte kann dann beginnen, wenn die Blätter abzusterben beginnen. Dann ist das Wurzelwachstum beendet. Da Meerrettich winterhart ist, kann die Ernte vom Herbst ab Ende Oktober bis zum Frühjahr vor dem erneuten Austreiben der Wurzelstöcke stattfinden.Geerntet wird mit einem durch Verstärkungen robusteren Kartoffelernter, mit dem die Reihen 40 Zentimeter tief unterfahren werden. Es wird mit einem Ertrag von 20 Tonnen/ha gerechnet, was etwa 30.000 Stangen entspricht.
Da Meerrettich leicht zu lagern ist, kann er über große Distanzen transportiert und verkauft werden. Zum Verkauf als Frischware wird er gewaschen und einfoliert, um das Austrocknen zu verhindern. Der größte Teil geht jedoch als Industrieware in die Verarbeitung.

Meerrettich(wurzel) wird als Gemüse genutzt, aber noch weiter verbreitet ist es als Gewürz (Pasten analog Senf-Saucen); als "Apfelkren" zum Tafelspitz, usw. Als ganze Wurzel ist Meerrettich geruchlos, geschnitten (gerieben) entsteht ein tränenreizender Stoff: ein Allylisothiocyanat, das sich bei Zellverletzung enzymatisch aus Sinigrin bildet.
Insbesondere in den Meerrettichanbaugebieten gehören Gerichte mit Meerrettich zum Alltag.  Vor der leichten Erhältlichkeit von Pfeffer waren Meerrettich und Senf die einzigen scharfen Gewürze der deutschen Küche und fanden entsprechend viel Anwendung. Wird die Wurzel getrocknet oder gekocht, verliert sie ihr flüchtiges Öl größtenteils und damit auch ihren scharfen Geschmack.
Meerrettich wird heute unter anderem zu Räucherfisch, Tafelspitz, Sauerfleisch, Roastbeef, zu Schinken und Frankfurter oder Wiener Würstchen serviert. Mit Meerrettich gewürzter Quark oder Frischkäse ist ein beliebter Brotaufstrich. Oft wird Meerrettich mit Sahne als Sahnemeerrettich zubereitet. Weitere Zubereitungsarten sind Meerrettichsenf oder auch Preiselbeer-Sahnemeerrettich, der zu Wild verwendet wird, und der besonders im bayerischen und österreichischen Raum verbreitete Apfelkren, neben Semmelkren die klassische Beilage zu gekochtem Rindfleisch wie Tafelspitz. Neben der rohen Verwendung wird Meerrettich auch gekocht verwendet. Er findet in Franken und Hessen sowie in der Lausitz als Meerrettichsauce zum gekochten Rindfleisch seinen Platz auf den Speisekarten.
Auch die Seitenwurzeln und im Frühjahr die jungen grünen Triebe des Meerrettichs können verwendet werden. Die Triebe kann man in der Pfanne anbraten und als Gemüsesnack verzehren. Die Seitenwurzeln kann man in Scheiben schneiden, mit kochend heißem Wasser übergießen, zehn Minuten ziehen lassen und als Meerrettich-Tee trinken.
Meerrettich enthält unter zahlreiche bioaktive Inhaltsstoffe: Vitamin C, Vitamine B1, B2 und B6, Kalium, Calcium, Magnesium und Eisen, sowie die Senfölglykoside Sinigrin und Gluconasturtiin, Allicin, Flavone, ätherische Öle, die zusammen antibiotische Wirkungen zeigen.

Im Mittelalter gab es eine ganze Liste von Krankheiten, gegen die der Meerrettich verabreicht wurde. Es wurde hauptsächlich als reizendes, hauterrötendes Mittel verwendet und gegen Skorbut eingesetzt. Meerrettich wurde dazu mehr äußerlich als innerlich angewendet. Außerdem wurde Meerrettich als nützlich gegen Vergiftungen in größeren Mengen gegessen, um das Erbrechen zu fördern. Er wurde weiters wie Senf gegen Verdauungsbeschwerden, Wassersucht, Amenorrhoe und bei Wechselfieber benutzt. Dazu wurde die Wurzel gerieben oder gepresst und löffelweise verabreicht. Auch gegen Ohrenweh und Dreitagefieber wurde er als nützlich angesehen.
In unserer Zeit wird Meerrettich verwendet, um die Abwehrkräfte zu stärken und vor Erkältungskrankheiten zu schützen. Das Radix Armoraciae ist in Heilmitteln gegen Grippe und Harnwegsinfektionen enthalten. Er wirkt kreislaufanregend, hustenlösend und wird äußerlich als Breiumschlag bei Rheuma, Gicht, Insektenstichen, Ischias und anderen Nervenschmerzen angewandt. Auch bei Kopfschmerzen soll er helfen. Dazu muss man ein wenig Duft des geriebenen Meerrettichs einatmen, wodurch leichte Verspannungen gelöst werden. Der Meerrettich soll auch wirksam gegen Magen-Darm-Störungen sein und auf die Absonderung des Gallensaftes (Fettverdauung) günstig wirken. Zusätzlich enthält der Meerrettich auch bakterienhemmende (antibiotische) und krebsvorbeugende Stoffe. Das sind schwefelhaltige Substanzen, die auch im Knoblauch vorkommen (wie Allicin, Sinigrin) und den Meerrettich zu einem sehr gesunden Gewürz machen.
Es gibt eine Reihe von wissenschaftlichen Studien, die die Heilwirkungen von Meerrettich belegen. Bereits in den 1950er Jahren konnte die antimikrobielle Wirkung flüchtiger und öliger Wirkstoffe aus dem Meerrettich bestimmt werden. Der Meerrettich wurde vom Verein NHV Theophrastus zur Heilpflanze des Jahres 2021 gekürt.

Informationen:
- wikipedia - engl. Horseradish -

Meerrettich: Heilpflanze des Jahres 2021- BZfE News 18.11.2020   link bei www.nhv-theophrastus.de
Frischer Meerrettich aid aktuell 19.10.2016 - http://www.aid.de/inhalt/frischer-meerrettich-28647.html (nicht mehr gültig)
Mit Radi gegen die Wiesn-Grippe - Meerrettich enthält mehr Vitamin C als Zitronen. dpa-Meldung 15.09.2017, z.B. Rhein-Zeitung + Münchner Merkur -
Meerrettich erst zum Schluss ans Essen.  dpa-Pressemitteilung am 05.03.2021 z.B. in Bürstädter Zeitung + Rhein-Zeitung  -

Meerrettich hat auch einen Platz in der (Natur-)Heilkunde (Volksmund - Penicillin des Gartens)  http://www.kren.at/information.htm

Informationen zu Meerretich (aus dem Jahr 2009)
- Kren - https://www.steirische-spezialitaeten.at/kulinarik/steirischer-kren-gga.html -
- http://www.genuss-region.at/genussregionen/steiermark/steirischer-kren-g-g-a/index.html  (nicht mehr gültig)

Meerrettich – Schutz – Prostata-Krebs – DKFZ Heidelberg; Glucosinolate (Apotheken-Umschau – 1.7.2010, S.45)
Scharfe Wurzel – Meerrettich Apotheken-Umschau 2012_10B (S.50-51) - Radix armoraciae
Warenkunde in der Lebensmittel-Praxis – Nr.9/2005 / Warenkunde

Meerretichstadt -  91083 Baiersdorf/Franken - Kren-Königin -  Kren-Markt -  www.baiersdorf.de  -
- Krenweiberl - - Meerrettich-Museum - Firma  Schamel in Baiersdorf (Flyer) - www.schamel.de -
Scharfes Geschäft (Familienfirma Schamel)  brandeins Nr.08/2021, S.12
- Johann von Brandenburg, genannt der Alchimist, (* 1406; † 16. November 1464 in Baiersdorf) war Markgraf des hohenzollerschen Markgraftums Brandenburg-Kulmbach.  Er führte den Meerrettich im bayerischen Regnitztal ein - die Gegend entwickelte sich zum "Krenland."

- Meerrettichfest | Appenweier (Stempel 324/77 Hd 7604 Appenweiher 3; Meerrettichort) Alles rund um den Meerrettich sowie Jahrmarkt, ganztags in der Hauptstraße im Teilort Urloffen. http://www.appenweier.de/

Krenfeste in Franken  - www.scharfe-wochen.de/  -
und Österreich

- Meerrettich in der Philatelie   -

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