04/10/20

Kiwi - Actinidia deliciosa

Die heute in Deutschland leicht erhältliche Kiwi ist eine relativ neue globale Obstsorte. Es ist Beispiel dafür, wie aus einem exotischem Lebensmittel innerhalb weniger Jahre praktisch ein einheimishes wird. Sie ist  jetzt so bekannt, dass es schon spezielle Geräte im Haushalt gibt - den Kiwilöffel.
Es ist die Actinidia deliciosa - auch Chinesischer Strahlengriffel oder Chinesische Stachelbeere benannt. Sie ist eine Art der Strahlengriffel, die nur als Kulturform angebaut wird. Besonders die Sorte "Hayward" liefert den Großteil der weltweit gehandelten Kiwifrüchte. Sie wird erst seit 1984 als eigene Art vom Chinesischen Strahlengriffel (Actinidia chinensis) unterschieden. Der Name Kiwi für diese Frucht wurde aus marktstrategischen Überlegungen 1959 in Neuseeland erfunden und leitet sich vom Kiwi-Vogel ab. In ihrer Heimat China heißt die Frucht míhóutáo, auf deutsch „Makakenpfirsich“. Traditionell wurde sie in China nicht angebaut, sondern wild gesammelt. In Nordamerika und deutschsprachigen Ländern wird die Frucht meistens „Kiwi“ genannt, im Gegensatz zu den meisten anderen englischsprachigen Ländern, wo die Frucht kiwi fruit („Kiwifrucht“) genannt wird. Im Deutschen unterscheiden sich Vogel und Frucht durch das grammatikalische Geschlecht: der Kiwi (Vogel), die Kiwi (Frucht). Die Verwendung des Namens „Kiwi“ kann zu Verwechslungen mit den Einwohnern Neuseelands führen, deren Spitzname ebenfalls „Kiwi“ lautet. Die Bezeichnung „Kiwi“ wurde nicht geschützt, und so wurde sie schon bald auch für außerhalb Neuseelands angebaute Kiwis verwendet. Die in Neuseeland angebauten Kiwis werden heute unter dem Markennamen Zespri von der gleichnamigen Marketingorganisation vertrieben.
Es gibt auch kleinere Actinidia-Arten - das sind die Kiwibeeren (eigner Ordner).

Die Kiwi ist eine ausdauernde, verholzte, lianenartig wachsende, sommergrüne Schlingpflanze. Die Blätter stehen wechselständig und sind je nach Varietät sehr unterschiedlich geformt. Sie sind breit bis langgestreckt, oval bis herzförmig. An der Unterseite sind sie weich behaart. Diese Art ist zweihäusig, das heißt, es gibt männliche und weibliche Blüten an getrennten Pflanzen. Die Früchte sind ovale bis walzenförmige Beeren von bis zu acht Zentimeter Länge und fünf Zentimeter Breite. Manchmal sind sie zweiseitig abgeflacht. Die Schale ist dünn und fellartig behaart. Die Farbe der Schale ist je nach Varietät grün bis braun, manche seltene Arten können auch eine pinkfarbene Schale ausbilden. Das Fruchtfleisch ist glasig, saftig und je nach Varietät hell- bis dunkelgrün. Die Fruchtachse ist cremefarben und fleischig. Die zahlreichen Karpelle erscheinen im Querschnitt strahlenförmig hell, zwischen ihnen sitzen viele kleine dunkle Samen. Samenanzahl und Fruchtgröße hängen stark voneinander ab, weshalb eine gute Befruchtungsquote für den Ertrag wichtig ist.

Die Früchte stammen ursprünglich aus dem südlichen China. Die Lehrerin Mary Isabel Fraser importierte die ersten Samen aus einer Mission in Yichang im Jangtsekiangtal im Januar 1904 nach Neuseeland. Der Gärtner Alexander Allison pflanzte diese auf seinem Grundstück südlich von Wanganui an, wo die Pflanzen 1910 erstmals Früchte auf neuseeländischem Boden trugen. Der Gartenbauwissenschaftler Hayward Wright züchtete aus diesen zunächst Chinesische Stachelbeere genannten Pflanzen erstmals kommerziell die Sorte ‘Hayward’, die auch noch heute einen Großteil der gehandelten Kiwifrüchte ausmacht. Um 1950 wurden diese erstmals in der Bay of Plenty angebaut und schon bald darauf nach Europa und Nordamerika exportiert.
Rund 80 Prozent der Weltproduktion von Kiwi ist ‘Hayward’, die sich durch Großfrüchtigkeit, guten Geschmack und lange Haltbarkeit auszeichnet, während ihre Ertragsfähigkeit geringer als bei anderen Sorten ist (‘Bruno’, ‘Abbott’, ‘Allison’ und ‘Monty`,stark zunehmend: Kiwi Gold). Die 1989 eingeführte Sorte ‘Top Star Vantini’ aus Italien war die erste unbehaarte Sorte.

China ist weltweit der führende Produzent von Kiwifrüchten, gefolgt von Italien, Neuseeland, Chile, Griechenland und Iran. In Europa ist die Kiwifrucht aus den Provinzen Rom und Latina mit der Herkunftsbezeichnung Geschützte geografische Angabe (g.g.A.) ital.: indicazione geografica protetta (IGP), als Kiwi Latina geschützt.

Im Jahr 2019 rund 108 000 Tonnen Kiwis im Wert von 208 Millionen Euro nach Deutschland importiert. Das entspricht rund 1,3 Kilogramm pro Kopf. Das ist gegenüber 2018 ein Anstieg von 15 % (2018: 94 000 Tonnen). Mehr als die Hälfte der nach Deutschland importierten Kiwis kommt hingegen aus Italien (2019: 60 000 Tonnen), weitere wichtige Herkunftsländer sind Neuseeland (2019: 24 000 Tonnen) und Griechenland (2019: 17 000 Tonnen). Statist Bundesamt 16.06.2020

Kiwis enthalten je 100 g Frucht etwa 71 mg Vitamin C. Sie enthalten außerdem das eiweißspaltende Enzym Actinidain, das jedoch beim Kochen zerstört wird. Rohe Kiwis vertragen sich nicht mit Milchprodukten – die Speise wird nach wenigen Minuten bitter, wenn die Früchte roh hinzugefügt werden, weil das Enzym in der Frucht das Milcheiweiß zersetzt. Dabei bilden sich bitter schmeckende Peptide, die sonst nur beim bakteriellen Verderb auftreten.  Andererseits sind rohe Kiwis ein guter Nachtisch für eiweißreiche Speisen, da das Enzym die Verdauung der Eiweiße erleichtert.

Der Kiwi ist ein flugunfähiger Vogel und ein Symbol für Neuseeland - die Neuseeländer werden auch die "Kiwis" genannt. (wikipedia commons - kiwi)

Informationen

(wikipedia) (engl kiwifruit)

 Kiwi.Eine Frucht geht auf Reisen. Tabula Nr.3/2013 -

Kiwi - tegut-Kundenmagazin Jan 2015 (link)

Wie ein chinesischer Schmuggler Neuseelands Kiwis stahl. link bei www.rnd.de 04.06.2021

Kiwi - chinesische Stachelbeere. Gourmet-Report 15.01.2015
Die Kiwi-Frucht. link bei www.gartenbista.de (2018)

Normalerweise haben Kiwis einen milden Fruchtgeschmack. Doch Quark- oder Joghurtspeisen können sie eine bittere Note geben. Woran liegt das, und wie lässt es sich verhindern? - dpa-Meldung 27.12.2018 z.B. in Rhein-Zeitung + Münchner Merkur  -

Kiwi - grün-schwarze Koaltion (z.B. in Baden-Württemberg) - Die Zeit, 31.03.2016 / TAZ 02.04.2016 (im TAZeArchiv)

Yuan, M. et al.: Supplementation of Kiwifruit Polyphenol Extract Attenuates High Fat Diet Induced Intestinal Barrier Damage and Inflammation via Reshaping Gut Microbiome. Front. Nutr. https://doi.org/10.3389/fnut.2021.702157 (0.08.2021) ⇔ Kiwifruit polyphenols may offer prebiotic potential, protect against leaky gut. Foodnavigator 15.09.2021

Lin, H.-H. et al.: Effect of kiwifruit consumption on sleep quality in adults with sleep problem.  Asia Pac J Clin Nutr 20(2): 169-174(2011) - Schlafprobleme: Zwei reife Kiwis und Sie schlafen wie ein Baby. Die Zeit 06.01.2019   / 
Wissenschaftler untersuchen den Zusammenhang zwischen Kiwis und Schlaf. FreshPlaza 01..09.2021

Chey, S.W. et al.: Exploratory Comparative Effectiveness Trial of Green Kiwifruit, Psyllium, or Prunes in US Patients With Chronic Constipation.  Am J Gastroenterol 116: 1304-1312; DOI: 10.14309/ajg.0000000000001149  (June 2016) ⇔ Mattes, S.: Kiwi gegen chronische Verstopfung? Medical Tribune 23.07.2022

Marketing - Tag der Kiwi - link bei www.food-monitor.de  24.05.2017

- Kiwi - Frucht des Jahres 2018 - link bei www.fruchtportal.deInternational Fruit Day -
- FA0 Food Statistik - (2018)
China           2.035.000 Tonnen
Italien             562.000
Neuseeland    414.000
Iran                 246.000
Griechenland  265.000
Spanien          238.000
Chile               230.000
Übersicht: Weltmarkt Kiwi´s. freshplaza 25.09.2017 + 16.04.2018  - 05.04.2019 -  + 03.04.2020 -  +  22.01.2021link  10.09.2021 -  link 06.05.2022

Vorbereiten (Schälen, Öffnen) - Watson (Schweiz) 25.03.2018

- Kiwis: Essen oder totschlagen? Die unglaubliche Erfolgsstory des süßen Knüllers aus Neuseeland. Die Zeit 05.03.1993 (scan im Archiv)

- Kiwi bei www.akg-images.de -
- Kiwi bei www.canstockphoto.de -

Kiwis auf Briefmarken -

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