Wahrnehmung von Information in bezug auf Ernährung

Variablen-Bereiche (z.B. EMSIG-Konstrukt-Variablen-Liste) für das Konstrukt Körperstatus (L) (EMSIG-Modell) (alle Bereiche in den Frageboögen erfasst; zu allen Bereichen - Thesen, Informationen, Literatur - EMSIG-Kartei-Katalog)

Jeder Organismus nimmt Information wahr und verarbeitet sie. Stimulis (Reiz) - Organismus - Reaktion - S-O-R-Modell.  (VL03)
Menschen sind inneren Reizen (Signale) ausgesetzt (z.B. Hunger-Sättigungs-Signale); es sind biochemische Reize (Metaboliten=Stoffwechselprodukte; Hormone), und elektro-chemische Nervenreizleitungen (Nervensystem) - biologische Verhaltenssteuerung - Sinnesphysiologie.
Menschen sind äußeren Reizen ausgesetzt - die Sinnes-Rezeptoren sind die Sinnesorgane -   Augen, Ohren, Nase, Mund, Hand (Tastsinne) (Körperfunktionen des Menschen)
(⇒⇒ Aussen- und Innensteuerung)
"Das Auge isst mit" - Publikation: Renner, B. et al. (Uni Konstanz) (2016). Eating in the dark: A dissociation between perceived and actual food consumption. Food Quality and Preference. 50, 145–151. doi:10.1016/j.foodqual.2016.02.010

Menschen sind sehr vielen Außen-Reizen ausgesetzt ( Umwelt - Kommunikation) (Chart - Holistische Kommunikation -  Human Touchpoints) (Akteure der Kommunikation) (Medien) (Verpackung)  (VL22)
- Mediennutzung -
- Werbung - Werbeaufmerksamkeit - Werbewirkung -
- Exposition -

Reaktion auf Reize (Auswahl; Selektion; selektives Wahrnehmen) (Informationsmanegment - Chart - Selektion der Reiz-Inputs - Tembrock ) (Attention der AIDA-Formel)
Erlernen der Interpretation der Reize - z.B. Geräusche - Sprache verstehen, sprechen lernen;  (psychologische Modelle)
Am Anfang der persönlichen, individuellen Entwicklung haben die inneren Reize (Hunger, Sättigung, u.v.a.m) eine hohe Bedeutung, dann werden die Reize-Reaktions-Muster der Kinder "sozio-kulturell" (v)erzogen. So unterliegt auch die Wahrnehmung der Informationen den biopsychosoziokulturellen Regelkreisen.
In der heutigen Gesellschaft herrscht das Wahrnehmen der äußeren Information vor - vor allem der Massenmedien, und der vielen "human touchpoints" der Markt- und Informationsgesellschfaft (Informationsmanagement) (Informationsüberfluss).
Wahrnehmung von inneren Signalen (z.B. Hunger und Sättigung) - verzögert um ca 20min nach Nahrungsaufnahme. Beim schnellen Essen&Trinken (fast)  kommt Sättigungssignal zu spät.
⇒⇒ Aussen vs Innensteuerung

Das alltägliche Essen (POEMMahlzeiten) sind Alltagshandlungen (nebenher, to-go; TV-Dinner, usw), dabei wird nicht sehr aufmerksam registriert, wieviele Chips gegessen, was vom Buffet genommen, usw. Stopp durch leere Packung bzw. leerer Teller. Wenn hier manipuliert wird; dann essen viele Menschen weiter; analog Restaurant  benutzte Teller werden durch frische ersetzt.
Wahrnehmung von Körpergewichts-Veränderungen - über Waagen; oder Kleidung - "Gürtel enger/weiter schnallen" 

Ein wichtiges äußeres Signal ist die Portionsgröße. - Theoretisch - bzw. rein physiologisch - kommt Sättigungssignal von Innen, beim langsames, bewussten Essen (slow) muß nach jedem Bissen achtgegeben werden. Praktisch entscheidet man sich (bzw. der Hersteller - Verpackungsgröße) für eine Portion - und "isst den Teller leer" (Esskultur - Tischsitten - Erziehungsregeln)
Wooley, S.C.: Physiologic versus cognitive factors in short-term food regulation in the obese and nonobese. Psychsomatic Medicine 34: 62-68 (1972) 
Wansink, B. et al.: Bottomless bowls: why visual cues of portion size may influence intake. Obesity Research 13(1) 93-100 (2005) (link)

Die Wahrnehmung der Tischlandschaft liefert Signale:  Größe/Umfang des Angebots - Großpackung, große Schüssel, je größer Angebot, desto mehr isst man; optische Täuschung: Dimension nach oben (Länge) eher überschätzt, die Breite eher unterschätzt (z.B. gleicher Inhalt in einem hohem Glas vs. breitem Glas); im großen Teller wirkt gleiche Portion kleiner, als auf einem kleinen Teller
(Wansick, B., Cheney, M.M.: Super Bowls: serving bowls size and Food Consumption  J.Am.Med.Ass. 293(14): 1727-8 (2005) (link)
Wansick, B. et al.: Ice cream illusions: bowl size, spoon size and serving size. Amer.J.Prev.Med. Sep 2006
Abwechslungsreiches Angebot - immer wieder neue Geschmacksreize  neuer Appetit (sensor spezifische Sättigung)
Alleine essen und essen in Tischgemeinschaft -
Selbe Portion - Essdauer - Allein 11min / in Katine - 13min / im Restaurant - 28 Minuten.
Bell, R., Pliner, P.L.: Time to eat: the relationship between the number of people eating and meal duration in three lunch settings. Appetite 41: 215-218 (2003)
Mehr Personen, mehr Freunde bei Tischgemeinschaft dann wird mehr und länger gegessen.
(Wansink) (Herman, C.P. et al: Effect of presence others on food intake. Psychol,Bull, 129(6) 873-86 (2003); Bell, R., Pliner,P.: Time to eat: the relationship between the number of people eating and meal duration in three lunch settings. Appetite 41: 215-18(2003)
Essen nebenher (abgelenkt) - z.B. am PC, während Fernsehen usw -  führt zum mehr essen.
(Wansink) (Stroebele, N, J.M.DeCastro: Television viewing is associated with increase in meal frequency in Humans. Appetite 42(1) 111-13 (2004)
Dissertation Stroebele "Television viewing nearly adds an additional meal to daily intake"

Ambiente im Restaurant, stimmungsvolle, ruhige Atmosphäre, Hintergrundmusik; nicht zu grelles Licht (angenehm, "gemütlich"), dann bleibt man länger sitzen, trinkt mehr, isst mehr; umgekehrt bei glatten, weiße Tische ("pflegeleichte") - Fast Food Restaurants - schnelles Essen; nicht unbedingt mehr.
(Wansink) Milliman, R.E.: The influence of background music on the behavior of restaurants patrons. J Consumer Res 13(1) 286-9 (1986)

Wahrnehmung von Gerüchen stimuliert den Appetit stimuliert.(Wansink)
Manella, JA, Beauchamp, G.K.: The early developmetn of human flavor preferences. in E.D.Capaldin(ed) Why we eat what we eat - The psychology of eating. AmerPsycholAss, Washington, 1996

Wahrnehmung des Angebots (z.B. Vielfalt in einem Supermarkt)
(Demmler, K.M. et al.: Supermarket purchase contributes to nutrition-related non-communicable diseases in urban Kenya. PLOSone doi.org/10.1371/journal.pone.0185148 (21.09.2017) - ref. "Kenia - Mehr Übergewicht durch Supermärkte. Deutschlandfunk 29.09.2017)

Wahrnehmung des Klimas/Wetter. In kalten Zeiten wird mehr gegessen, mehr Suppen, Eintöpfe; an heissen Tagen - weniger Essen (Wansink)
Brobeck; JR: Food intake as a mechanism of temperature regulation. J Biol Med 20: 545-52 (1948)
Wansink; B.: Environmental Factors that increase the food intake and consumption volume of unknown consumers.  Ann Rev Nutrition Vol.24, p.455-479 (2004)

Informationen zu Forschungsergebnissen von Brian Wansink. Ab Januar 2017 tauchen Hinweise auf, dass einige(bis viele) Publikationen von ihm manipuliert sind (wikipedia - 08.05.2018).
- Tim van der Zee: The Wansink Dossier - link bei www.timvanderzee.com (The Skeptical Scientist)
- Bauchner, H.: Expression of Concern: Wansink B, Cheney MM. Super Bowls: Serving Bowl Size and Food Consumption. JAMA. 2005;293(14):1727-1728. JAMA 319(18):1869. doi:10.1001/jama.2018.4908 (08.05.2018)
- Caught Our Notice: JAMA warns readers about all of Brian Wansink’s papers in its journals. link bei  www.retractionwatch.com 13.04.2018
- Why the Joy of Cooking is going after a Cornell researcher. Brian Wansink’s food-behavior studies constantly made headlines. Now, there are deep doubts about his work. link  bei www.vox.com 28.02.2018
- Reaktion von B Wansink bzw. Cornell-University - link (April 2017)

Die Farbe der Speise ruft eine Geschmackserwartung hervor (z.B. rot - Kirschgeschmack)
Geschmackstests mit unterschiedlichen Lichtverhätnissen (Lichtfarbe, Helligkeit - Essen im Dunkeln)
Das Auge "isst" mit. Viele Essensbilder sind jedoch nicht real (Werbung, Verpackung) - (Wir erleben die "Welt" durch die "Augen" der Massenmedien (Niklas Luhmann)

Ebenso stimuliert die Benennung der Speisen; Bedeutung der Namensgebung. So rufen regionale Bezeichungen (regionale Spezialitäten) ebenso positives Assoziationen hevor, wie nostalgische - nach Großmutters Rezeot; dazu wirken sinnliche Eigenschaften - ofenfrisch, knusprig. Auch die Marke hat ihren Wert. Lebensmittel mit niedrigem Image - wie z.B. Innereien /Kutteln - können durch Namensgebungen - wie "Trippa alla Romana" an Interesse gewinnen (anderes Beispiel Tintenfisch wird zu calamares)
Anpassung der Erwartung ans Essen (expectation assimilation); Bestätigung von (negativen) Vorurteilen (confirmation bias). Durch edle Präsentation (z.B. Porzellanteller dekoriert vs Pappteller-Gericht) (Wansink)
Tuorila, HM et al.: Effect of expectation and the definition of product category on acceptance of unfamiliar food Food QualPref 9(6) 421-430 (1998)
Painter, JE: How descriptive food names bias sensory perceptions in restaurants. Food Qual Pref 16(5) 393-400 (2005)

- Wahrnehmung von Werbung
Livingstone, Sonia; Helsper, Ellen: Advertising foods to children: Understanding Promotion In The Context Of Children´s Daily Lives. A review of the literature prepared for the Research Department of the Office of Communications (OFCOM); Department of Media and Communications, London School of Economics and Political Science, London 2004(download)

(Werbung-Wirkung; gute Übersicht der Faktoren, die Ernährungsverhalten von Kinder beeinflussen; gutes Modell-Diagramm)
Wirkung der Werbung für Zigaretten (Infos / Publikation)

Wahrnehmung der Verpackung, Lebensmittelkennzeichnung usw  (z.B. Ampel-Kennzeichnung - Food Watch/Emnid-Umfrage 2009)
Beachtung von "Food Labels" in den USA (Infos März 2010).
A J C Roodenburg , B M Popkin  and J C Seidell: Development of international criteria for a front of package food labelling system: the International Choices Programme European Journal of Clinical Nutrition (2011) 65, 1190–1200; doi:10.1038/ejcn.2011.101; -
--Humbert, G et al (Nestle AG): A perspective on labelling and consumer understanding. www.newfoodmagazine.com - Vol15(4) 61-63 (2012) (scan im Archiv: Food Label Conumser Understanding Nestle NewFood 2012_04)

- Soziale Medien (Internet) transportieren viele Informationen - z.B.  YouTuber bestimmen das Einkaufsverhalten. BZfE News 25.10.2017

Höhl, . et al. Die Augen essen mit! Wie sich die Optik von Lebensmitteln auf unser Auswahl- und Essverhalten auswirkt. Moderne Ernährung (Süßfacts) Nr.2/2012

Unterschiede - experimentelle Studien (Labor) vs. reale Umgebung (Feld)
de Graaf, C et al.: A comparison between liking rating obtained under laboratory and field conditions - the role of choice. Appetite 44(1) 15-22 (2005)
Wahrnehmung von Verhalten von anderen Menschen (Nachahmen) - Experiment - gesundes Essen vs "ungesundes" - zeigen der Situation; einmal Entscheidung von Gemüse- vs für Kekse (Michelle van Dellen - Uni Georgia)
- Willenstark durch Vorbilder - Spiegel Nr.3/2010 - -

Je nach Lebensumwelt (Lebenserfahrung) werden die wahrgenommenen (selektierten) Informationen bewertet . In einer Welt in der die existensiellen Grundbedürfnisse mehr oder weniger sicher sind (materielle Absicherung durch festen Arbeitsplatz, Pension, usw.) ist "Raum" für weitere Sorgen und Ängste; so gibt es für die große Mehrheit der Bevölkerung keine Angst vor Hungerzeiten, dafür gibt es zunehmend "Wohlstands-Ängste" (siehe Bewertung von Information)
- Bewertungen verfestigen sich zu "Einstellungen zur Ernährung"

Informationen sind wichtig für Kaufentscheidungen - hier gibt es unterschiedliche Bereiche der Bewertung von Informationen
-solche die man vor dem Kauf nutzen kann - die Sucheigenschaften (z.B. bei Lebensmitteln - das Erscheinungsbild (frisch aussehend; farbig, usw.
- solche, die man nach dem Kauf erfährt - die Erfahrungseigenschaften (der Geschmack, die Bekömmlichkeit usw);
- solche, die man nicht selbst überprüfen kann, die man glauben, denen man vertrauen muß - Vertrauenseigenschaften (wie Gesundheitswert; ökologische Produktion, usw); die Zusammenwirken (Schema).
  (Tabelle)  (Vertrauenseigenschaften bei LM - Hanf, Kiel)  (Text Wiki)
- Bewertung von Lebensmittelqualität -

Die Agentur www.food-monitor.de - Bietet Informationen zum Ernährungsinteresse der Bevölkerung aufgrund von Google-Informationen (Beispiel Jan 2013)  

Variablen-Bereiche (z.B. EMSIG-Konstrukt-Variablen-Liste) für das Konstrukt Quellen für Ernährungsrelevantes Wissen (Q) (EMSIG-Modell) (alle Bereiche in den Frageboögen erfasst; zu allen Bereichen - Thesen, Informationen, Literatur - EMSIG-Kartei-Katalog)
- Ernährungsgewohnheiten im Elternhaus und aktuelle Situation
- Tischsitten im Elternhaus und aktuelle Situation
- Ernährungserziehung
- Ernährungsberatung
- Ernährungslehre in der Schule
- Werbung

Literatur:
Röhr, A. et al. (Alvensleben, Kiel): Analyse der Verbraucherwahrnehmung von Lebensmittelqualität und -sicherheit. Ernährungs-Umschau 50(11) 426-429 (2003) (Scan im Archiv)

Weber, B.: Einfluss kontexttueller Signale auf Bewertung und Wahrnehmung von Lebensmitteln. Ernährungs-Umschau Nr.2/2017, M108-M110

 

 

 

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