Es gibt bisher keine einheitliche akzeptierte Definition von transdisziplinärer Forschung. Sie ist "mehr" als nur intersdiziplinär. Es kommen noch folgende weitere Kriterien dazu:
- es werden gesellschaftlich wichtige, relevante Probleme untersucht (die mulitfaktorielle Hintergründe haben; "Problem Framing" - systemartige Modelle); z.B. das nachhaltige Wirtschaften;, der Klimawandel (die Reduktion des CO2-Ausstosses; Realisierung der Umweltziele a la Kyoto-Protokoll);
- es werden die Betroffenen (bzw. die Stakeholder) einbezogen; Erweiterung der Methoden (qualitative Forschung; Bürgerkonferenzen, usw.); kollektive Erarbeitung von Problemlösungen; Verbesserungsorschläge (von Modellen - Systemwissenschaft - zur Anwendung; Transfer-, Transformation-Wissenschaft)

Reallabore beziehen Akteure aus der Praxis (von Beginn an) in der Forschung mit ein. (Meldungen zu Reallabore in Baden-Württemberg - transformationszeitung 15.05.2014 )

Citizen-Science (wikipedia - engl. citizen science)
-Projekte . Wissenschaft im Dialog – Bürgerwissenschaft - - z.B. regionale Verbreitungen –Tagfalter-Monitoring (link) - www.nationales-netzwerk-natur.de
/ Mückenatlas (TAZ - 25.04.2014) / www.buergerschaffenwissen.de / www.wissenschaft-im-dialog.de
Finke,P.: Citizen Science. Das unterschätze Wissen der Laien. oekom-Verlag, 2014
-- www.citizen-science-germany.de 
- Dossier "Citizen Science bei  www.scinexx.de -
- Staatsknete für Bürgerforschung. Citizen Science Forschungsförderung. TAZ 28.07.2017 -

- Website: - www.community-intelligence.com - www.thingiverse.com -

McDonald, D. et al.: American Gut: an Open Platform for Citizen Science Microbiome Research. mSystems, 2018; 3 (3): e00031-18 DOI: 10.1128/mSystems.00031-18 ⇔ Big data from world's largest citizen science microbiome project serves food for thought. ScienceDaily 15.05.2018 ⇒⇒ Citizen Science Project - www.americangut.org  

(z.B. auch Transfer - Haushaltswissenschaftliche Forschung zur Nutzung durch Verbraucher (Verbraucher-Beratung) (OLT 157); "scaling down"-Research (OLT  )

TD-Net for Transdisciplinary Research (Schweiz) http://www.transdisciplinarity.ch.

Konferenz: Problemstrukturierung in der inter- und transdisziplinären Forschung  (Zürich, 27. - 28. November 2008) TECHNIKFOLGENABSCHÄTZUNG – Theorie und Praxis 1, 18. Jahrgang - Mai 2009, S.117-11;  http://www.itas.fzk.de/tatup/091/ross09a.htm
Marcel Tanner - Gesundheit  http://www.idw-online.de/pages/de/news309357   Bernard Hubert - Landnutzung

Thomas Höhne: Aspekte einer transdisziplinären Transferforschung, Expertise für das ISOE zum Thema Wissenstransfer und Transferwissenschaft, Materialien Soziale Ökologie 34, www.isoe.de

Über transdisziplinäre Forschung (TF) (aus www.transdisciplinarity.ch )
Transdisziplinäre Forschung (TF) ist eine Reaktion auf die Feststellung „Die Welt hat Probleme, die Universitäten haben Departemente“ (Brewer 1999, 328). Das bedeutet, dass sich die transdisziplinäre Forschung mit Problemfeldern der Lebenswelt befasst. Dadurch ergänzt die TF die Grundlagenforschung, welche durch den Erkenntnisfortschritt in den Wissenschaften angestossen wird (Hirsch Hadorn et al. 2008, 27-36).
Die TF ergänzt die angewandte Forschung, indem TF für eine bestimmte Art von Problemfeldern geeignet ist: „Ist das Wissen über ein gesellschaftlich relevantes Problemfeld unsicher, ist umstritten, worin die Probleme konkret bestehen, und steht für die darin Involvierten viel auf dem Spiel, so sind die Voraussetzungen für TF gegeben“ (Pohl und Hirsch Hadorn 2006, 16). Solche Problemfelder sind beispielsweise Migration, Gewalt, Gesundheitsversorgung, Armut oder globale Umweltprobleme.
„Der Ausgangspunkt der TF ist ein gesellschaftlich relevantes Problemfeld. Darin identifiziert, strukturiert, analysiert und bearbeitet die TF bestimmte Probleme derart, dass sie
a) die Komplexität der Probleme erfasst,
b) die Diversität von gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Sichtweisen der Probleme berücksichtigt,
c) abstrahierende Wissenschaft und fallspezifische Relevanz des Wissens verbindet und
d) Wissen zu einer am Gemeinwohl orientierten praktischen Lösung der Probleme erarbeitet.
Das partizipative Forschen und die Zusammenarbeit von Disziplinen sind Mittel, um die Anforderungen a) bis d) im Forschungsprozess einzulösen.“ (Pohl und Hirsch Hadorn, 26)
„Da TF Wissen zu einer am Gemeinwohl orientierten praktischen Lösung von Problemen beitragen will, sind drei Kategorien von Forschungsfragen in TF involviert: (a) Fragen zur Genese und möglichen Entwicklung eines Problemfeldes sowie seiner Interpretationen in der Lebenswelt, (b) Fragen, welche die Bestimmung und Begründung praktischer Ziele betreffen, sowie (c) Fragen, welche die Entwicklung pragmatischer Mittel (Technologien, Institutionen, Gesetze, Normen ...) sowie die Veränderbarkeit bestehender Verhältnisse angehen. In den Visionen der Schweizer Forschenden wird dafür eine Unterscheidung von drei Wissensarten getroffen, die auch für die Charakterisierung der TF immer wieder verwendet wird: System-, Ziel- und Transformationswissen“ (Pohl und Hirsch Hadorn, 32-33). Die TF untersucht Fragestellungen in allen drei Wissensarten und berücksichtigt dabei deren gegenseitige Abhängigkeit.
In der TF greifen zwei Prozesse ineinander: Ein wissenschaftlicher Erkenntnis- und ein lebensweltlicher Problemlösungsprozess (Bergmann et al. 2005, 19). Der transdisziplinäre Forschungsprozess besteht aus drei Phasen: (a) Problemidentifikation und -strukturierung, (b) Problembearbeitung und (c) In-Wert-Setzung. „Transdisciplinarity implies that the precise nature of a problem to be addressed and solved is not predetermined and needs to be defined cooperatively by actors from science and the life-world. To enable the refining of problem definition as well as the joint commitment in solving or mitigating problems, transdisciplinary research connects problem identification and structuring, searching for solutions, and bringing results to fruition in a recursive research and negotiation process. Transdisciplinarity thus dismantles the traditional sequence leading from scientific insight to action“ (Wiesmann et al. 2008, 436)
Verhältnis zu anderen Definition
Das Verständnis der TF ist als Synthese einer Vielzahl vorliegender Definitionen erarbeitet worden und enthält verschiedene Elemente dieser Definitionen (Pohl und Hirsch Hadorn 2006, 68-92).
Die durch Unsicherheit und starke Betroffenheit der Beteiligten geprägte Ausgangslage gründet auf Funtowicz’ und Ravetz’ Beschreibung der „post-normal science“ (Funtowicz und Ravetz 1993).
Im Anspruch, der Komplexität gerecht zu werden, lässt sich Erich Jantschs systemtheoretisch motivierte Definition der Transdisziplinarität wieder erkennen (Jantsch 1972).
Der Anspruch, die Vielfalt von gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Sichtweisen einzubeziehen, kommt im Ruf nach partizipativer Forschung (Häberli und Grossenbacher-Mansuy 1998, Defila und Di Giulio 2006) einerseits und nach der Zusammenarbeit von Disziplinen (Mittelstraß 1992, Costanza 2003) andererseits zum Ausdruck.
Der Anspruch, abstrakte Wissenschaft und fallspezifische Relevanz zu verbinden, stammt aus den Bereichen der Interventionsforschung (Argyris 1976, van den Daele und Krohn 1998, Hubert und Bonnemaire 2000, Groß et al. 2005).
Die Orientierung am Gemeinwohl findet sich in anderen Definitionen implizit im Anspruch, die Wissensproduktion an lebensweltlichen – statt an innerwissenschaftlichen – Problemstellungen zu orientieren (Mittelstraß 1992,). In dieser expliziten Formulierung ist die Orientierung am Gemeinwohl in der TF selten festgehalten, anders als im inhaltlich verwandten US-amerikanischen Feld der policy sciences, wo das Gemeinwohl als common interest eine explizite Orientierungsgrösse ist (Clark 2002: 13). Ebenso findet sich die Orientierung am Gemeinwohl in der Technikfolgenabschätzung (Grunwald 1999, 243). Wie das Gemeinwohl zu verstehen ist, ist nicht vorgegeben, sondern im Projektverlauf zu erarbeiten.
Literatur
* Argyris, C. 1976. «Single-Loop and Double-Loop Models in Research on Decision Making», Administrative Science Quarterly, 21: 363-375.
* Bergmann, M., B. Brohmann, E. Hoffmann, M. C. Loibl, R. Rehaag, E. Schramm und J.-P. Voß 2005. Qualitätskriterien transdisziplinärer Forschung – Ein Leitfaden für die formative Evaluation von Forschungsprojekten, ISOE Studientext, Frankfurt am Main: Institut für sozial-ökologische Forschung.  (Bergmann, M et al. Methoden transdisziplinärer Forschung. (Ein Überblick mit Anwendungsbeispielen; Campus, Frankfurt, 2010).  (www.isoe.de )
* Brewer, G. D. 1999. «The challenges of interdisciplinarity», Policy Sciences, 32: 327-337.
* Clark, T.W. 2002. The Policy Process: A Practical Guide for Natural Resource Professionals, New Haven and London: Yale University Press.
* Costanza, R. 2003. «A vision of the future of science: reintegrating the study of humans and the rest of nature», Futures, 35: 651-671.
* Defila, R., A. Di Giulio und M. Scheuermann 2006. Forschungsverbundmanagement - Handbuch für die Gestaltung inter- und transdisziplinärer Projekte, Zürich: vdf Hochschulverlag AG an der ETH Zürich.
* Funtowicz, S.O. und J.R. Ravetz 1993. «Science for the Post-Normal Age», Futures, 25: 739-755.
* Groß, M. und H. Hoffmann-Riem 2005. «Ecological restoration as a real-world experiment: Designing robust implementation strategies in an urban environment», Public Understanding of Science, 14: 269-284.
* Grunwald, A. 1999. «Ethische Grenzen der Technik? Reflexion zum Verhältnis von Ethik und Praxis», in: Ethik in der Technikgestaltung – Praktische Relevanz und Legitimation, A. Grunwald, S. Saupe (Hrsg.), Springer: Berlin, 221-252.
* Häberli, R. und W. Grossenbacher-Mansuy 1998. «Transdisziplinarität zwischen Förderung und Überforderung. Erkenntnisse aus dem SPP Umwelt», GAIA, 7(3): 196-213.
* Hirsch Hadorn, G., H. Hoffmann-Riem, S. Biber-Klemm, W. Grossenbacher, D. Joye, C. Pohl, U. Wiesmann und E. Zemp 2008. «The Emergence of Transdisciplinarity as a Form of Research», in Handbook of Transdisciplinary Research, G. Hirsch Hadorn, H. Hoffmann-Riem, S. Biber-Klemm, W. Grossenbacher, D. Joye, C. Pohl, U. Wiesmann und E. Zemp, Editors, Springer: Dordrecht: 19-39.
* Hubert, B. und J. Bonnemaire 2000. «La construction des objets dans la recherche interdisciplinaire finalisée: de nouvelles exigences pour l'évaluation», Natures Sciences Sociétés, 8(3): 5-19.
* Jantsch, E. 1972. «Towards Interdisciplinarity and Transdisciplinarity in Education and Innovation», in Problems of Teaching and Research in Universities, OECD, Editor, 97-121.
* Mittelstraß, J. 1992. «Auf dem Weg zur Transdisziplinarität», GAIA, 1(5): 250.
* Pohl, C. und G. Hirsch Hadorn 2006. Gestaltungsprinzipien für die Transdisziplinäre Forschung – ein Beitrag des td-net, München: oekom.
* van den Daele, W. und W. Krohn 1998. «Experimental implementation as linking mechanism in the process of innovation», Research Policy, 27: 853-868.
* Wiesmann, U., G. Hirsch Hadorn, H. Hoffmann-Riem, S. Biber-Klemm, W. Grossenbacher, D. Joye, C. Pohl und E. Zemp 2008. «Enhancing Transdisciplinary Research: A Synthesis in Fifteen Propositions», in Handbook of Transdisciplinary Research, G. Hirsch Hadorn, H. Hoffmann-Riem, S. Biber-Klemm, W. Grossenbacher, D. Joye, C. Pohl, U. Wiesmann und E. Zemp, Editors, Springer: Dordrecht: 433-441.

Core terms in Transdiciplinary Research (hb ch. 28) (download) (pdf)  http://www.transdisciplinarity.ch/d/Transdisciplinarity/documents/HB_Core_terms.pdf

Defila, R., Di Giulio, A.: Inter- und Transdisziplinarität: eine besondere Art der Wissenschaft. S.121-7  in - Hoffmann, I., Schneider, K., Leitzmann, C (Hrsg). Ernährungsökologie -komplexen Herausforderungen integrativ begegnen. oekom-verlag, München

 

http://de.wikipedia.org/wiki/Transdisziplinarit%C3%A4t

 

www.change-magazin.de  (Bertelsmann-Stiftung) – aktuelles Heft – Themenschwerpunkt – Bürgerbeteiligung

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