Psychologische Faktoren, die das Ernährungsverhalten beeinflussen

Variablen-Bereiche (z.B. EMSIG-Konstrukt-Variablen-Liste) für das Konstrukt Körperstatus (L) (EMSIG-Modell) (alle Bereiche in den Fragebögen erfasst; zu allen Bereichen - Thesen, Informationen, Literatur - EMSIG-Kartei-Katalog)

(Wissenschaft - Ernährungspsychologie)

Essen  ist immer mit Gefühlen (Emotionen) verbunden. Es beginnt mit der Fütterung des Säuglings, sowohl das Stillen als auch Flaschennahrung ist z.B. mit Geborgenheit, Zärtlichkeit, Sicherheit, Wärme, Kommunikation und süßem Geschmack verbunden.

Essen mit Genuß (Hedonismus), die  Geschmacksempfindungen; Lust zu Essen (Mund ein Lustzentrum)
Wohlbefinden, Glücklichsein wird z.B. stimuliert durch Zucker - Süßes - und Fettes - physiologischer "link" Hormone - Serotonin; Oxytocin -
(siehe auch Funktionen der Lebensmittel - Verhaltenssteuerung)
Abwechslung beim Essen (versch.Speisen), bei sensorischen Eindrücken, (abwechslungsreich vs eintönig) (ver)führt zum vermehrten essen. - sensory specific satiety; influence of variety; "cafeteria diets" (Rattenexperimente) (Übergewicht) (Rolls, B.J. et al: The Influence of Variety in Human Food Selection and Intake) (Epstein et al. AJCN 2009) (Promotion Weijzen - Wageningen - 2008 - download) (Sampey, BP et L:- Cafeteria Diet Model - Obesity 2011; p.1109f)

Ernährung und Ess-Störungen - Essen als Sucht
- Eva Gesine Baur: Süße Gelüste. Wie die Stimmung uns beim Essen beeinflusst. Hirzel Verlag, Stuttgart, 1997 - Die Haltlosigkeit am Frühstücksbuffet. Oder warum es uns teuer zu stehen kommt, wenn Essen nichts kostet.
Der süße Trost und das saure Ende. Ess-Sucht - Ernährung im Fokus, Nr.1 2015 -(im Archiv)

- Belastungen - Stress - beeinflussen das Ernährungsverhalten, Essen als Trost (Kummerspeck); Einfluß von  Ärger, Frust (Enttäuschung); Trauer und Einsamkeit
Essen und Motive -

Die Identität als psychologisches Konzept geht davon aus, dass sich die Person mit etwas identifiziert. Dazu gehört es, Merkmale einer bestehenden Gruppenidentität als eigene Wesensmerkmale anzunehmen und zugleich eigene persönliche Merkmale auszubilden. Menschen erkennen sich selbst (im Bezug zu anderen; z.B. Prozeß des Erwachsenwerdens, "Trennung" von Eltern), und gestalten ihr Verhalten. Zu der Identität gehört die Reflektion mit der Umwelt, wie reagieren Mitmenschen (z.B. auf Abweichungen) - Ernährungsverhalten (Präferenzen, Meidungen) sind Zeichen der Identität.
Essen und bezug zum Körperbild; Image (des Aussehens) (Selbstbeurteilung) - Essen und Vorsatz/Ziel, z.B. weniger zu Essen, bestimmte Zeit zu fasten; Verzicht auf alkoholische Getränke .
Wer bin ich? Wie viele bin ich? (wikipedia) (Persönlichkeitstests)
Faktor Identität im Marketing Beispiel: The Age of Identity Management - GDI -Impulse Nr.2/2015

Es gibt physiopsychologische Beziehungen bei dem Sinneswahrnehmungen, aus dem eigenen Inneren (intern)  (Hungersignale; Vorstellungen (Imagination)) und die Wahrnehmungen, die von außen Reize setzen.  (anregende Bilder von Speisen / Foodporn / Gerüche wahrnehmen) (extern). Diese Sinne regen Appetit an und den Speichelfluß ("da läuft einem das Wasser im Mund zusammen) bzw. können umgekehrt kann Ekel erzeugen (da vergeht einem der Appetit).  Es gibt Suggestion - Placebo-Effekt -
 - Hungergefühle; Appetite (Heißhunger); Sättigung, übersättigt -   Gier.
- Schlafmangel manipuliert unsere Esslust - bild der wissenschaft - 01.03.2016 ⇒⇒ Hanton, E.C. et al.:  Sleep Restriction Enhances the Daily Rhythm of Circulating Levels of Endocannabinoid 2-Arachidonoylglycerol - Sleep Vol.39, No.3 653-664 (2016)

Dazu gehören die Wahrnehmung und Bewertung von Information. Erinnerung an frühere Speisen (Gedächntis wird durch Ernährungserinnerungen stimuliert).

Psychologische Ratschläge zur Beeinflussung des Ernährungsverhaltens -  Einsatz von Ernährung als Erziehungsmittel - Essen als Belohnung / Bestraftung (Kartoon )
Essen ist ein alltägliches Verhalten, viele Automatismen, unbewußte Handlung  - Ernährungsprotokolle sind Instrumente die Handlungen bewußter zu machen, zu analysieren - z.B. was ist ein stabiles Verhaltenselement, welche sind (leichter) veränderbar; was ist gut, was ist kritisch.
Zielvereinbarungen festlegen.

Bewusstes Essen, achtsam Essen ("mindful eating") (nicht nebenher essen)
"Von unachstsamen zum achtsamen Essen" - EUFIC Food Today 04/2016 -
"Trotz Stress gut essen" - Info beim MLR-BW, 21.04.2016

Oetting M. Appetit und Sättigung: psychologische Einflüsse auf die Nahrungsaufnahme. Ernährungs-Umschau 1978; 25: 135-139 (DGE Tagung Mannheim Vortrag) (Scan im Archiv)

Die psychologischen Dimensionen der Persönlichkeiten haben bezug zum Ernährungsverhalten und umgekehrt dienen Analysen des Ernährungsverhalten (das Essen - INPUT-Variablen) der Charakterisierung der Persönlichkeit.

Diehl, J.M. et al.: Relativgewichtg und Persönlichkeit. Literaturübersicht. Akt. Ern-Medizin 9(6) 220-232 (1984) (Scan im Archiv)

Das Persönlichkeits-Inventar  hat folgende wichtigen fünf Dimensionen (The Big Five) -
- Neurotizismus
- Extra-/Introversion
- Offenheit für (neue) Erfahrungen
- Gewissenhaftigkeit
- Verträglichkeit.
Die  "Big Five" (als grundlegende Eigenschaften der Persönlichkeit)  beeinflussen große Teile des Lebens: Extraversion, Neurotizismus, Verträglichkeit, Gewissenhaftigkeit und Offenheit für neue Erfahrungen. (SWR 2 Wissen; 14.09.2009) (Download im Archiv))
Link zum Big-Five-Test -   http://de.outofservice.com/bigfive/
Personality Test in 56 Ländern - interkultureller Vergleich (Publikation Schmitt et al. 2007)
Weitere Dimensionen sind
Nervosität - Aggressivität - Depressivität - Erregbarkeit - Geselligkeit - Gelassenheit - Gehemmtheit
- soziale Dominanz u. Potenz - Konzentrationsfähigkeit
- Selbstwert - Partizipation - Empowerment ---

Es gibt externe und  interne Steuerung - gezügelter Esser (restraint eater) - Fähigkeit zur Selbstkontrolle  / Type A / Type B
ernen - Erziehung (Warten können)
Stanford "Marshmellow"-Experiment (Publikation 1990)
 (Wiki) (Infos) (Info)  (Belohnungs-Aufschub) (Walter Mischel)
(Diäten - Köpergewichtreduktion)

- Pudel, V., Merzdorf, M., Oetting, M.: Zur Persönlichkeit Adipöser in psychologischen Tests unter Berücksichtigung latent Fettsüchtiger. Z.Psychosoamt. med. Psychoanalyse 21(4) (1977), S.345-361 (nicht im Internet verfügbar; 9.8.2010)

 

Literaturhinweise:

Psychological Determinants of Food Choices - in Barker; LM: The Psychobiology of Human Food Selection. 1982  - (Building Memories for Food) (Flavor Memory)

Die psychosoziale Bewertung der Ernährung in Deutschland war Gegenstand einer repräsentativen Umfrage für den Ernährungsbericht 1980 (siehe OLT037). Schwerpunktsthemen war das Ernährungswissen, Interesse an Ernährungsinformationen; Einstellungen zur Ernährung, und zum Körpergewicht  Appetit in verschiedenen Stress-Situationen (Langeweile/Hetze / Streit / Einsamkeit / Trauer). Checklisten-Ernährungsprotokoll - Ermittlung der Energie- und Hauptnährstoffzufuhr; das Körpegewicht (Auswertung nach Broca-Prozenten) (sozialer Gradient) / Image der Personen mit versch. Körpergewicht (Druck auf die Dicken)

Der Ernährungswissenstest E-W-T (Fragebogen) wurde im Wesentlichen in Giessen – zusammen mit Jörg Diehl – entwickelt –  Pre-Test mit Gießener Oekotrophologie-Studneten / (87+77 Fragebogen / Nov 1979 – Göttiingen – Dr.Martin Richter).
Der E-W-T-Fragebogen umfasst die Dimensionen Nährstoffkenntnisse,  Kaloroen-Bezeichung; Lebensmittelhygiene-Sicherheit (schimmeliges Brot; Körpergewichtsproblematik (Diäten; Bedarfszahlen (Kalorien, Eiweiss, Kochsalz).

Weitere Erhebungsdimensionen - Bedeutung der Informationsquellen (Packung / Kochbuch, Lebensmittelladen; Freunde,-Personen / Zeitschriften / Radio / Fernsehen / Ernährungsberatung / Verbraucherberatung / Auslansreisen); Einstellung zum Essen;  Appetit – Stress-Sitautionen
Zufuhr von Nahrungsenergie/Hauptnähstoffen
Haushhaltsführung – Das Einkaufen / das Kochen / Vorratshaltung
Faktoren – für Ernährung – Geschmack / Bekömmlichkeit / gesund, abwechslungsreich / Preis / sättigung; Kalorien / konveneint / schnelligkeit – Zeit/
Einstellung bei Kindererziehung / (Teller leer essen / was auf Tisch kommt / egal / Belohnung mit Süßen / feste Essenszeiten / laisze fair –rigide Kontrolle) / Übergewicht in Deutschland – Atlas – Regionen / SES / Alters-Zunahme von Übergewicht / Fremd- und Selsbtbeurteilung – richtiges Gewicht erkennen / Image der Dicken)(s. auch OLT040)

Ernährungswissentest ( allg Bevölkerung / Landwirtschaft / Haushaltsführende/ Reformhaus-Einzelhändler / Einzelhändler LM-Laden / Schwangere / Grundschullehrer / Ernährungsjournalisten / Köche / Ärzte / Apotheker (siehe auch OLT039)

Klotter, Christoph (Ernährungspsychologie; Fulda): Essen als individuelle Freiheit - Essen als sozialer Zwang. S. 125-138 in

Ploeger, A., Hirschfelder, G., Schönberger, G.:Die Zukunft auf dem Tisch. Analysen, Trends und Perspektiven der Ernährung von morgen. VS Verlag, Wiesbaden; 2011 (Tagungsband - des www.ak-esskultur.org - Wild-Stiftung) (google books) - gute Darstellung - zwar theoretisch Mensch fähig individuell über sein Essen zu entscheiden (Psychologisch - für sich zu handeln; intern) (analog wie in vielen anderen Lebensbereichen - individuell frei sein), doch Sozialisation (Schichten - Familie - soziale Netze) - soziale Werte; soziale Kontrolle - was man tun/essen darf und was man besser nicht tun bzw. essen soll

Norbert Elias - Kontrolle der Affekte - Zivilisation

Belohungsaufschub (Impulskontrolle) - Marshmallow-Test -  Der Belohnungsaufschub gelingt einigen Kindern, anderen hingegen nicht, d.h., sie unterschieden sich hinsichtlich der Belohnungs- und Bedürfnisaufschubs (delay of gratification). (Stangl, 2018). Verwendete Literatur Stangl, W. (2018). Stichwort: 'Marshmallow-Test'. Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik. WWW: http://lexikon.stangl.eu/3697/marshmallow-test / (2018-06-10) - Ist der Marshmallow-Test sinnlos?  Südd Ztg 07.06.2018

aid-Broschüre "Verflixtes Schlaraffenland - Wie Essen und Psyche sich beeinflussen", Tagungsband zum 16. aid-Forum Mai 2013 (Link)

Eva Gesine Baur: Süße Gelüste. Wie die Stimmung uns beim Essen beeinflusst. Hirzel Verlag, Stuttgart, 1997 - Die Haltlosigkeit am Frühstücksbuffet. Oder warum es uns teuer zu stehen kommt, wenn Essen nichts kostet.
Der süße Trost und das saure Ende.  Ess-Sucht - Ernährung im Fokus, Nr.1 2015

Literatur-Übersicht - OLT134 Nr.13 -

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